Insel La Gomera

 

 

 

Die Atlantikinsel La Gomera gehört zu den 7 Kanarischen Inseln vor der NW-Küste Afrikas, die nach ihrer Flächengröße in nachfolgende Aufreihung passt: Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera und El Hierro. Sie sind alle vulkanischen Ursprungs, wobei die vor rd. 20 Millionen Jahren entstandene Insel Gomera zu den Ältesten gehört.
 Die nur 25 km vor der SW-Küste Teneriffas liegende, fast kreisrunde, ca. 22 – 25 km im Durchmesser betragende Insel, ragt mit 98 km Küstenlänge überwiegend steil aus dem Meer. Sie dominiert in dem 1486 m hohen Alto de Garajonay, einer runden, kaum als Berg anzusprechende Kuppe.
 Vom Zentralmassiv fast radial angeordnet, durchgraben 50 große Talschluchten (span. = Barrancos) sowie 55 kleinere die rd. 378 km² große Inselfläche. Diese teils bis zu 800 m tief eingeschnittenen und mehrere Kilometer langen Barrancos prägen typisch und eindrucksvoll das Landschaftsbild.
 Weite Gebiete des zentralen Hochlandes im Inselinneren, der nach Nordosten abfallenden Bergflanken, sowie der hochgelegene seitliche Kammausläufer nach Norden sind mit Wald bedeckt, der etwa 1/5 der Gesamtinseloberfläche ausmacht.
 Die subtropische Flora der Kanarischen Inseln ist überaus vielfältig und artenreich an Blumen, Büschen und Bäumen. Das Besondere auf den Kanaren – und das auch noch inselspezifisch – sind ein Vielzahl endemischer, also hier einzig auftretende Arten.
 Fast einzigartig auf der Welt erstreckt sich hier ein 3.984 ha messender Wald - der größte zusammenhängende Lorbeerwald unserer Erde. Dank des hier u.a. forschenden deutschen Botanikers G. Kunkel - und auf seine Initiative hin - wurde dieser 1981 zum „Nationalpark Garajonay“ ernannt und 1985 zum „Erbe der Menschheit“ deklariert. Diese einzigartige Flora verdankt ihr Dasein einer Jahrmillionen währenden sogenannten genetischen Isolation (keine Mischungsmöglichkeiten) und der besonderen Lage im Ozean, durch welche sie vergangene klimatische Katastrophen der Kontinente (vor allem die Eiszeiten) überleben konnten.
 Noch ein Novum auf der Insel ist die auf der Welt einzigartige Pfeifsprache „El Silbo“, das Verständigungsmittel der Urbevölkerung, genannt Guanchen  ( = Altkanarier), die sich aus der morphologischen Unzugänglichkeit ihrer bergigen Waldinsel entwickelte.
 Das Klima der Kanaren gehört unumstritten zu den Besten der Welt, von dem schon der verehrte Sohn der Kanaren César Manrique den berühmt gewordenen Satz äußerte: „Allein das Klima der Inseln ist ein Luxus“. Das Temperatur-Jahresmittel beträgt 21° C.
 
La Gomera ist die wildeste und schluchtenreichste Insel des Kanarischen Archipels. Was liegt da näher als hinter dieser Aussage abenteuerliche Wanderungen zu vermuten? Die relativ kleine Insel ist bezüglich ihres Landschaftcharakters so vielseitig, dass selbst der jährlich wiederkehrende Urlauber immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert ist.
   Die Fülle der Farben jahrmillionenalter Gesteine, einer üppig grün wuchernden Vegetation, von Meer und Himmel – und alles im Wechselspiel des Sonnenlichtes – beeindrucken den Naturfreund.
 Die häufige Frage, was den ständigen Besucher an dieser Mini-Insel so fasziniert, ist nicht so einfach zu beantworten. Es ist wohl das komplexe Zusammenspiel vieler glücklicher Umstände; nicht zuletzt, dass die Insel noch keinen negativ geprägten Tourismus hat und somit einen individuellen Aktivurlaub möglich macht. Vielleicht ließe sich noch anführen, dass sie trotz aller Vielfalt in ihrer Größe noch überschaubar und „greifbar“ ist und deshalb eine besondere Beziehung wachsen kann.
 
Sie ist aber auch großen objektiven und subjektiven Gefahren ausgesetzt. Zur ersteren zähle ich die Naturgewalten wie orkanartige Stürme, monatelange Hitze-Perioden oder wolkenbruchartige sowie ggf. tagelang anhaltende Regenfälle. Stürme, Trockenheit als auch Regen können immense Schäden anrichten und haben schon viele Opfer gefordert. Allerdings sind die vorgenannten Aufzählungen eher die Ausnahmen.
 Ebenso schlimm sind die immer wiederkehrenden Brände, die teils auch von Menschen fahrlässig oder bewusst gelegt werden.
 Ein der schlimmsten Brände jüngerer Zeit war der vom September 1984, wo ein Waldbrand im Bereich oberhalb vom Ort La Laja gewütet hatte, bereits abgeklungen war, und der Zivilgouverneur von Teneriffa mit 20 Gefolgsleuten zur Schadensbesichtigung an der Höhenstraße nahe dem Felsturm Roque de Agando weilte. Der Wind schlägt um, entfacht das Feuer neu, es springt über die Straße und kesselt die Leute ein. Bei der Flucht sterben im Flammeninferno der Gouverneur und 19 seiner Leute (→ Waldbranddenkmal an der Höhenstraße nahe dem Roque de Agando). Nur einer überlebt mit schweren Verbrennungen.
 Der Jahrhundertbrand vom August 2012 – nach einem Jahr ohne Niederschläge – zerstörte ca. 4200 ha Wald- und Buschland sowie 800 ha des Nationalparks mit Lorbeerwaldbestand, insgesamt etwa 1/10tel der Insel. Das Feuer, was niemand für möglich hielt, springt in der Nacht zum Montag am 12./13. August bis hinunter ins westlich der Insel gelegene Valle Gran Rey. Der im Talgrund total ausgetrocknete Schilfgürtel wird auf 4 km in 15 Min. durchrast, dabei brennt es teilweise seitlich hoch in die Hänge des V-Tales. Zahlreiche Wohnhäuser brennen total aus, die Menschen können teils nur retten, was sie auf dem Leib tragen. Dort, und in den höher gelegenen vom Brand betroffenen Dörfern, verbrennen zumeist alle Tiere, oft die Lebensbasis der autark lebenden Bewohner. Auch bei diesem Brand liegt es nahe, dass Brandstifter Hand anlegten, da es an 3 Stellen gleichzeitig zu brennen begann.
 
Eine weitere große subjektive Gefahr ist der ausufernde Bauboom, das „Zupflastern“ der Insel. Hierzu zähle ich auch die nicht unbedingt erforderliche Asphaltierung von Pisten und Fahrwegen, die nur zu Feldern führen oder wie ich schon einmal schrieb, „um auch noch den letzten Bienenstock durch eine Asphaltstraße zugänglich zu machen“. Hierzu gehören auch die inselweit 20 geplanten, aber letztlich nicht durchdachten oder finanziell gescheiterten Großprojekte, die heute langjährig und landschaftsstörend als Bauruinen zumeist in freier Natur stehen (u.a. die Abfüllanlage Taguluche, Schweinemästerei Arure u.a.). Aber auch das in allerschönster Aussichtslage befindliche Panorama-Restaurante in Arure (unter dem "Mirador del Santo" im unteren Arure), das halbfertig als Rohbau sein Dasein fristet. Wenig sinnvoll ist auch der inseleigene immer wieder anzutreffende, überdimensionierte Ausbau von Aussichtspunkten (Miradoren). Weniger an Flächengröße wäre manches Mal ein mehr an Gewinn! Ob es z. B. die neue, supermoderne Aussichtsplattform am Mirador de Abrante oberhalb von Agulo nun unbedingt gebraucht hätte, bleibt auch dahingestellt.
 Und immer mehr Bananenfelder oder anderer Landwirtschafts- und Freiflächen fallen den Bauboom durch Wohnhäuser oder Gewerbebauten, gleich welcher Nutzbarkeit, und Straßen zum Opfer. Ob dies immer gerechtfertigt war, möge die nachfolgende Generation beurteilen.
 Hierzu gehört möglicherweise auch der im Ortsbereich feste Ausbau der Barrancos (San Sebastián, Playa de Santiago, Valle Gran Rey, mit gemeindlichem Landgewinn!), von dem man noch nicht weiß, ob sich die Natur bezüglich dieser Kanalisierung dereinst nicht rächen wird.
 Wie auf der ganzen Welt boomt auch auf Gomera der Autokauf und wie überall fehlt in den expandierenden Orten der dafür nötige Parkplatz (Autoslalom auf den schmalen zugeparkten Strassen!) mangels Tiefgaragen – ein inzwischen kaum lösbares Problem in vielen Teilen der Welt.