La Gomera ist längst keine unbekannte Insel mehr. Jeder Wanderfreak, der mitreden will, muss mal auf Gomera gewesen sein. Ansonsten bieten zahlreiche Touristik- und Trekkingunternehmen eine oder mehr Inselwanderwochen an. Dennoch ist die Insel noch nicht überlaufen, ist dort der Urlaub – selbst im touristisch frequentierten Valle Gran Rey – noch überaus angenehm.
 Die Insel bietet genussvolles Wandern ebenso wie Abenteuertouren inmitten abwechslungsreicher Landschaften. Immer wieder überrascht bei dieser Mini-Insel, welch lange Wege bergauf/bergab zu einem scheinbar nahen Ziel gegangen werden müssen.
 Auf den langen abgelegenen und einsamen Wanderungen durch die wilde Berglandschaft ist man noch heute fast allein. Vielleicht begegnet man auf schmalen Pfad oder den alten, grob gepflasterten „caminos reales“, den königlichen Wegen aus der vergangenen Guanchenzeit, gerade mal einen Hirten, der freundlich lächelnd unseren Gruß erwidert.
 
Touristische Entwicklung
 Die eigentliche touristische Entwicklung der Insel La Gomera, die ja bekanntlich wie die Insel El Hierro immer abseits im Schatten der Hauptinseln lag und damit abseits der Touristenströme, beginnt erst spät Anfang der 70er Jahre. Aufgrund der verbesserten Lebensbedingungen der Nachkriegszeit und im Sog eines expandierenden Tourismus auf den großen Nachbarinseln, besonders aber begünstigt durch die ab 1974 geschaffene kontinuierlichen Fährverbindung mit der Hauptinsel Teneriffa sowie durch den Ausbau eines Wege- und Straßennetzes, wird Gomera als Insel mit unberührter Naturlandschaft „entdeckt“. Dort wo man auch noch alte Lebensgewohnheiten beobachten kann und damit – als Wanderinsel.
 Zaghaft und bescheiden entwickelte sich ein Individualtourismus. Natürlich waren Hippies (etwa 1970 – 1977, zurückgehend auch noch in den Folgejahren) zeitgemäß mit die ersten, die in Gomera anlandeten. Vereinzelte Auswanderer und Pensionäre verschiedener Nationalitäten ließen sich im Haupt- und Fährort San Sebastián und im abgelegenen Valle Gran Rey nieder. Sie und auch kurzfristige Besucher (1978 zählte man erst 5 Touristen) durchstreiften beim Wandern als Entdecker und Abenteurer das noch unerschlossene Eiland. Einer der ersten, die etwas in lokaler Verbreitung von den dortigen Wanderungen berichteten, war der deutschstämmige Schweizer Rudolf Wild (Herausgeber:Comunidad Mar y Teide S.S. Gomera), der mit seiner Frau in mühevoller Arbeit 7 schöne Wanderungen im Gelände farbig markierte und erstmals eine einfache Wanderskizze (siehe oben) mit Kurzbeschreibungen herausbracht. Unter den damals noch sehr unerschlossenen und ursprünglichen Verhältnissen eine beachtliche Pionierleistung!
  Klaus Metzler und Freunde wanderte 1979 auf 5 Kanareninseln. Sein KOMPASS-Wanderbuch beinhaltete u.a. 10 Touren von La Gomera.
 Zu den Inselkennern der späten 70er Jahre zählt zweifelsohne Erich Reuss, Bergsteiger und Wanderer aus Passion. Er war von 1973 bis 1990 mit der Insel verbunden. Über ein Jahrzehnt durchstreifte er die Insel kreuz und quer auf der Suche nach neuen Wanderungen. Es war Zufall und gleichzeitig mein Glück, ihn 1981 kennen zu lernen. Gleichgesinnt fürs Klettern und Wandern waren wir viele Jahre seine Begleiter und lernten somit viele Wandertouren frühzeitig kennen.
 Zu jener Zeit Anfang der 80ger Jahre gab es noch keinen Gomera-Wanderführer, schon gar keine Wanderkarte, sieht man von älteren spanischen Karten ab, die jedoch nicht mehr aktuell waren. Inzwischen kannte meine Frau und ich soviel Touren, dass wir aufgrund von Nachfragen einige beschrieben und als Fotokopien an Interessenten verteilten bis wir auf die mutige Idee kamen, einen reinen Gomera-Wanderführer zu schreiben und ihn über einen Verlag zu veröffentlichen.
 
Wanderführer und - Wanderkarten
 
1985 erschien im GOLDSTADTVERLAG Pforzheim Rita und Rüdiger SteuerLa Gomera, 25 Bergwanderungen durch unberührte Natur“.
 Zeitgleich gab es noch ein anderes uns damals unbekanntes Ehepaar, das auf Gleiches hinarbeitete. Just am selben Tag, an dem Ursula und Adam Reifenberger ihr Erstlingswerk „Kanarisches Wanderbuch, auf den Spuren der Guanchen durch La Gomera, El Hierro und La Palma“ (SYRO-Verlagsbuchhandlung) persönlich dem Wanderguru E. Reuss präsentierten, brachte ein Freund unser druckfrisches o.a. Wanderbuch aus Deutschland mit. Es war schon ein seltener Zufall über den wir alle herzlich lachten.
 Die Reifenberges, damals auf Dauer in Gomera wohnend und gut Spanisch sprechend, brachten ein großes Wissen in ihr Wanderbuch ein, trotzdem konnte sich dieses Buch aus anderen Gründen nicht wirklich durchsetzen.
1988 haben sich die aktiven Reifenbergers mit einem Folge-Wanderbuch und danach mit einem wichtigen Nachschlagewerk, „Gomera Handbuch, dem offiziellen Inselführer“, große Verdienste um Gomera und seine Besucher erworben.
1990 erschien von Rüdiger Steuer die erste praktisch verwendbare Wanderkarte M. 1:50000. Wahrlich noch sehr einfach, aber farbig und mit 57 Wanderkurzbeschreibungen auf der Rückseite, die auf der Karte mit gelben Nummern-Kästchen versehen waren.
1998 brachte Rüdiger Steuer mit der 9. vollständig überarbeiteten und erweiterten Auflage „La Gomera, 46 Bergwanderungen in ursprünglicher Natur“ ein vielseitiges und reich bebildertes Wanderbuch heraus und dieses in Folge bis zur 13. überarbeiteten Auflage 2005. Es war zu jener Zeit, in der es keine inselweiten Wegmarkierungen und –beschilderungen gab, zusammen mit der GOLDTSTADT-Wanderkarte, ein erfolgreicher Tourenbegleiter.    
2005 Umstellung der Wanderkarte auf M. 1:35000. Damit als Wanderkarte besser lesbar und in dieser Größe noch 1 Blatt.
2012 Neuüberarbeitung der erfolgreichen Wanderkarte mit vielen Neuerungen und aktuellem Stand (→ „GOLDSTADT-Wanderkarte“ 2012).
 
Ausblick
 
Heute ist die Wander- und Reiseliteratur über Gomera (→ Literaturverzeichnis) sehr vielfältig, fast unüberschaubar geworden, da fast jeder Reise- oder Wanderverlag sich mehr oder weniger mit Gomera beschäftigt.
 Umsatzstark ist heute der ROTHER-Wanderführer von Klaus und Anette Wolfsperger mit dem ansprechenden Buch „La Gomera, die schönsten Küsten- und Bergwanderungen“ (53 Touren).
 
Langsam, jedoch unaufhaltsam verändert sich die Infrastrukturund nicht immer zum Besten für das Wandern. Man sollte ja nicht vergessen – besonders nicht die insularen Touristikmanager! -, dass die Insel vom Tourismus, von Besuchern wie Wanderer, Mountainbiker und sonstige Touris lebt und diese eben nur noch kommen, wenn die Insel als Naturlandschaft bestehen bleibt.